Neon – Revolution oder Evolution für den Schweizer Bankenplatz?

Das Fintech-Unternehmen Neon machte es sich 2018 zur Aufgabe, den Schweizer Bankenplatz aufzumischen. Die Grundsteine hierfür legte Neon mit einem kostenlosen Bankkonto, einer günstigen und transparenten Gebührenstruktur und dem Einsatz moderner Technologien. Über 70’000 neue Kunden und Kundinnen bis Sommer 2021 scheinen dem Zürcher Startup recht zu geben. Hat Neon seine Ziele erreicht oder lediglich die teurer werdenden Basisangebote der verstaubten Hausbanken verbessert?

Das kostenlose Neon-Konto.
Die App zum kostenlosen Neon-Konto ist übersichtlich gestaltet und einfach bedienbar. Quelle der Screenshots: neon-free.ch

Inhaltsverzeichnis

Kontoeröffnung und Identifizierung

Wie bei vielen Fintechs kann und muss die Kontoeröffnung vollumfänglich innerhalb der App vorgenommen werden. So wird einem zwar der mühsame Gang zur nächsten Bankfiliale erspart, der Prozess muss aber auch funktionieren, wenn Schwierigkeiten auftreten. Schliesslich ist bei Problemen kein Personal anwesend, das zur Hilfe eilen könnte.

Im Gegensatz zu anderen Produkten auf dem Markt hat Neon die Kontoeröffnung erfreulich einfach gestaltet. Besonders angenehm dabei ist, dass kein unangenehmer Video-Anruf nötig ist. Dies bedeutet aber keineswegs, dass Neon die Identität seiner Kundinnen und Kunden nicht überprüft. Verfügt man nicht bereits über ein Schweizer Bankkonto, dass auf den eigenen Namen lautet, muss auch bei Neon ein Video-Anruf in Kauf genommen werden.

Neon stützt sich dabei auf die Dienstleistungen konkurrenzierender Banken: Besitzt jemand bereits ein Konto bei einer anderen Bank, kann davon ausgegangen werden, dass bereits eine Identifizierung stattgefunden hat. Kann die Person nun auch noch Fotos der Identitätskarte vorlegen, ein Selfie schiessen und eine Überweisung vom entsprechenden Fremdkonto tätigen, sind die Bedingungen zur Identifizierung erfüllt. Diese Strategie wird mittlerweile von einer Reihe von Konkurrenzprodukten ebenfalls eingesetzt. Sie funktioniert, solange die Kundinnen und Kunden hauptsächlich von anderen Banken auf Neon umsteigen. Bei Personen, die neu in die Schweiz gezogen sind oder noch nicht über ein Bankkonto verfügen, lässt sich ein Videoanruf nicht verhindern.

Hat man sich erfolgreich identifiziert, kann man mit einer Wartezeit von rund einer Woche rechnen, bis das Konto einsetzbar ist. Zwar wird das Konto bereits relativ früh eröffnet und die eigene IBAN bekanntgegeben, es muss aber noch auf die PIN und die Bankkarte gewartet werden, welche via Post verschickt werden.

Wer bei der Kontoeröffnung den persönlichen Empfehlungscode einer Bekanntschaft angibt, erhält eine Gutschrift von 10.- CHF und eine kostenlose Mastercard-Karte. Wer möchte, darf gerne den folgenden Empfehlungscode verwenden, um diesen Blog zu unterstützen: 8PFYC1

Bankverbindung

Das Neon-Konto kann nur über die Neon App via iPhone, Android oder Huawei-Smartphone genutzt werden. Ein Zugang über den Web-Browser ist derzeit nicht möglich. Neon betreibt ausserdem kein eigenes Filialnetz. Wer also auch nur gelegentlich den Bankschalter aufsucht, sollte kein Neon-Konto eröffnen.

Die Gelder der Kundinnen und Kunden werden bei der Hypothekarbank Lenzburg verwahrt. Die Hypothekarbank Lenzburg ist eine mittelgrosse Schweizer Regionalbank, welche ein eigenes Kernbankensystem entwickelt hat, an welches sich mittlerweile verschiedene Fintech-Anbieter angeschlossen haben. Wer ein Neon-Konto eröffnet, wird also automatisch Kunde oder Kundin der Hypothekarbank Lenzburg. Dabei profitiert man von der Einlagensicherung bis 100’000.- CHF über die Esisuisse. Das eigene Geld ist bis zu diesem Betrag auch dann abgesichert, wenn die kontoführende Bank Konkurs geht.

Wichtig zu wissen ist, dass auf dem Neon-Konto eine täglich Überweisungs-Limite von 30’000.- CHF liegt. Wer einen höheren Betrag innerhalb von 24 Stunden überweisen möchte, muss direkt mit dem Neon-Team Kontakt aufnehmen. Alternativ kann eine grössere Überweisung aber auch über mehrere Tage verteilt werden.

Funktionalität

Die wichtigsten Funktionen für den Einsatz als Ferien- oder Alltagskonto werden von Neon problemlos abgedeckt:

  • Schweizer IBAN
  • Inlandszahlungen in CHF
  • Auslandszahlungen in Fremdwährungen zu günstigen Konditionen über den Partner Wise
  • Einzahlung via Einzahlungsschein
  • Einzahlung via QR-Rechnung
  • Daueraufträge
  • Rechnungsempfang und -begleichung via eBill
  • Sperrung der Karte in Echtzeit via App
  • Lastschriftverfahren (LSV)
  • Bank- und Steuerauszüge digital als PDF
  • Günstige Kartenzahlungen im Ausland via Neon-Mastercard ohne Wechselkursaufschlag oder Bearbeitungsgebühren

Karte und Akzeptanz

Zusammen mit dem Neon-Konto erhält man eine Mastercard, welche zum Bezahlen im In- und Ausland sowie im Internet genutzt werden kann. Technisch gesehen handelt es sich dabei um eine Prepaid-Mastercard, wobei die Ausgaben-Limite immer mit dem aktuellen Kontostand übereinstimmt. Es ist mit dem Neon-Konto nicht möglich, mehr Geld auszugeben, als tatsächlich auf dem Konto liegt.

Gibt man mit der Karte Geld aus, wird man via SMS innerhalb weniger Sekunden benachrichtigt. Nach einigen Minuten taucht die Buchung dann auch in der App auf. In Zukunft sollen die SMS-Nachrichten durch elegantere Push-Benachrichtigungen ersetzt werden.

Einziger Nachteil der Karte ist, dass einige wenige Anbieter, z.B. Autoverleihe oder Airlines, keine Prepaid-Karten akzeptieren. Dies hängt damit zusammen, dass bei solchen Buchungen oft hohe Beträge als Kaution auf der Karte reserviert werden. Bei Auslandsreisen ist es daher ratsam, zusätzlich eine Kreditkarte mitzunehmen.

Mit der Karte können pro Tag maximal 1’000.- CHF Bargeld abgehoben und je 5’000.- CHF im Internet und in Geschäften ausgegeben werden. Derzeit lassen sich die Kartenlimiten noch nicht direkt via App anpassen.

TWINT

In der Schweiz wird TWINT immer beliebter, um sich gegenseitig schnell und unkompliziert Geld zu schicken oder im Laden um die Ecke den Einkauf zu bezahlen. Leider gibt es keine offizielle TWINT-App für das Neon-Konto. Auch in der UBS TWINT-App, welche es erlaubt, eine Kreditkarte zu hinterlegen, funktioniert die Neon-Mastercard leider nicht. Will man die Karte registrieren, wird diese durch die App abgelehnt.

Wer also keine andere Kreditkarte besitzt, muss auf die Prepaid TWINT-App ausweichen. Diese kann nur via Lastschriftverfahren (LSV) oder Direktüberweisung aufgeladen werden. Das dauert in der Regel mehrere Arbeitstage und ist entsprechend nicht mehr zeitgemäss.

Benutzerfreundlichkeit

Die Neon-App ist benutzerfreundlich und übersichtlich gestaltet. Nach dem Start wird man mit einer Liste der letzten Transaktionen begrüsst und hat eine schnelle Übersicht über die eigenen Ausgaben. Diese werden automatisch in verschiedenen Kategorien, z.B. «Haushalt» oder «Essen und Trinken», eingeordnet. Die Ausgaben lassen sich dann auch über verschiedene Zeiträume optisch darstellen, damit man eine Übersicht darüber erhält, wofür man sein Geld eigentlich genau ausgibt.

Innerhalb der App lassen sich alle Funktionen schnell aufrufen und einfach nutzen. Neon macht auch auf «Partnerangebote» aufmerksam, welche zu vergünstigten Konditionen zugänglich gemacht werden. Dazu gehören z.B. diverse Versicherungen oder Angebote für das Sparen via Säule 3a.

Kosten

Das Neon-Konto ist kostenlos, während die Mastercard einmalig 10.- CHF kostet. Verwendet mein bei der Kontoeröffnung jedoch einen Referral-Code, erhält man 10.- CHF Guthaben und die Karte kostenlos. Wer möchte, darf gerne den folgenden Referral-Code verwenden, um diesen Blog zu unterstützen: 8PFYC1.

Jeden Monat kann man mit der Neon-Karte zwei Mal kostenlos Geld am Bankomat abheben, unabhängig von der Geldsumme. Jede weitere Abhebung im selben Monat kostet danach pauschal 2.- CHF. Im Ausland werden für alle Geldbezüge pauschal 1.5% Servicekosten verrechnet. Im Gegensatz zu den meisten Banken verrechnet Neon jedoch keinen Aufschlag auf den Wechselkurs. Dies gilt auch für den Karteneinsatz in Geschäften oder im Internet. Wer also oft im Ausland ist oder in Fremdwährungen online bezahlt, spart mit der Neon-Karte ordentlich Gebühren.

Bei Überweisungen ins Ausland setzt Neon auf eine Partnerschaft mit Wise. Die Kosten sind dabei deutlich tiefer als bei traditionellen Banken und werden in der App transparent und in Echtzeit ausgewiesen. Geld, welches auf dem Neon-Konto liegt, wird nicht verzinst. Immerhin gibt es erst ab 500’000.- CHF einen Negativzins von -0.8% jährlich, diese Grenze ist bei vielen traditionellen Banken mittlerweile oft deutlich tiefer.

Zusätzlich zum kostenlosen Konto bietet Neon neu auch die Option «Neon Green». Diese Option bietet die gleichen Dienstleistungen, wie das normale Neon-Konto, kostet aber 5.- CHF pro Monat. Im Gegenzug erhält der Kunde ein CO2 neutrales Konto, wobei die Emissionen über das Pflanzen von Bäumen kompensiert werden. Pro 100.- CHF, die der Kunde mit der Mastercard ausgibt, wird ein weiterer Baum gepflanzt. Eine Zusatzversicherung für die Garantieverlängerung von elektronischen Geräten, welche mit der Neon-Karte gekauft werden, soll das Angebot abrunden.

Kundendienst und Hilfestellung

Das Neon-Team kann aus der App heraus direkt telefonisch oder via E-Mail kontaktiert werden. Anfragen via E-Mail werden unkompliziert und schnell innerhalb von 1-2 Arbeitstagen beantwortet. Bei spezifischen Anliegen, z.B. Überweisungen von Geldsummen, die über dem Kontolimit liegen, muss unter Umständen telefonisch mit Neon bzw. der Hypothekarbank Lenzburg Kontakt aufgenommen werden.

Neon stellt auf seiner Website ein nützliches FAQ zur Verfügung, dass die häufigsten Fragen rund um das Konto, die App und die Mastercard beantwortet. Es lohnt sich also, vor der Kontaktaufnahme mit dem Support zuerst einen Blick ins FAQ zu werfen.

Die Konkurrenz

Mittlerweile sind diverse Konkurrenzprodukte am Markt, die mit einem ähnlichen Angebot wie Neon werben. Dazu gehören die Credit Suisse mit «CSX», das Fintech «Yapeal», die Postfinance zusammen mit der Swissquote und der gemeinsamen App «Yuh», sowie die Bank Cler mit «Zak».

Obwohl sich die Angebote insgesamt sehr ähnlich sind, decken sie teilweise andere Bedürfnisse ab. So können mit der App «Yuh» auch Aktien und Kryptowährungen gehandelt werden, jedoch werden Daueraufträge noch nicht unterstützt. Bei «Zak» wird derzeit die eBill-Plattform noch nicht unterstützt und nur eine virtuelle Prepaid-Kreditkarte angeboten. Es lohnt sich also, die eigenen Bedürfnisse abzuwägen und die verschiedenen Apps genauer unter die Lupe zu nehmen.

Fazit und persönliche Erfahrung

Ursprünglich hatte ich mein Neon-Konto im Sommer 2020 für eine Roadtrip-Reise nach Frankreich eröffnet. Neon hatte kurz zuvor sämtliche Gebühren für Zahlungen im Ausland gestrichen, weshalb mir der Zeitpunkt ideal erschien. Schlussendlich habe ich während der gesamten Reise ausschliesslich die Neon-Karte verwendet, meine Standard-Kreditkarte und auch die Revolut-Karte blieben unbenutzt.

Im Gegensatz zu Revolut konnte ich mein Neon-Konto via Banküberweisung unter der Woche schnell aufladen, bei Revolut dauerte es nach der Überweisung meist noch 1-2 Arbeitstage, bis das Geld tatsächlich auf der Karte verfügbar war. Der Wechselkurs ist bei Revolut und Neon nahezu identisch, jedoch gibt es bei Neon keine Limite, ab welcher zusätzliche Gebühren fällig werden. Ausserdem ist es mir sympathisch, dass mein Geld bei Neon auf einem Schweizer Konto, bei einer Schweizer Bank inkl. Einlagensicherung, aufbewahrt wird.

Nun, etwa ein Jahr später, bin ich komplett auf Neon umgestiegen. Ich habe mein bisheriges Lohnkonto aufgelöst, nachdem meine Hausbank trotz Rekordgewinn und Stellenabbau es für angebracht hielt, die Gebühren für Kleinsparer erneut zu erhöhen. Das Neon-Konto und die Neon-Mastercard bieten mir alles, was ich von einem Lohn- und Alltagskonto erwarte. Ich habe Daueraufträge für Miete und Sparen eingerichtet, Rechnungen erhalte ich via eBill direkt digital in der App, die Karte wird überall akzeptiert. Auch wenn ich praktisch kein Bargeld mehr verwende, kann ich zwei Mal pro Monat kostenlos Geld abheben, an allen Bankomaten der Schweiz. Der Support ist schnell erreichbar, kompetent und freundlich. Kostenpunkt: 0.- CHF pro Monat.

Damit ist Neon zwar noch nicht die grosse «Revolution» auf dem Bankenplatz Schweiz gelungen, trotzdem macht das Startup vieles richtig. Während grosse Banken Jahr für Jahr die Gebühren anheben, deckt Neon die Basisbedürfnisse kostenlos ab. Wer also ein einfaches Alltags- oder Ferienkonto sucht, das funktioniert und möglichst günstig ist, ist bei Neon gut aufgehoben.